Kirchenchor

„Das ist ein köstlich Ding, danken dem Herrn ...“.

Seit dem Jahr 1910 besteht der Evangelische Kirchenchor Holzgerlingen.

„Das Programm war einzigartig... Nun sang der Kirchenchor „ Das ist ein köstlich Ding, danken dem Herrn... Es war die Glanznummer des Tages“.

So schreibt Pfarrer Dinkelacker im Evangelischen Gemeindeblatt für Holzgerlingen, in der März Ausgabe 1910, über die Gemeindehaus-Einweihung in Holzgerlingen am Sonntag, den 20. Februar 1910. Dies war zugleich auch einer der ersten Auftritte des jüngst gegründeten Kirchenchors unter der Leitung des Herrn Schullehrers Leimenstoll.

Oberlehrer Leimenstoll hatte in der Bandweberei Binder die jungen Arbeiterinnen bei der Arbeit singen gehört, was ihn sehr beeindruckt haben muss, denn er beschloss, diese Gruppe von jungen Frauen einzuladen, unter seiner Leitung einen Kirchenchor zu bilden. Dieser Vorschlag wurde dann auch begeistert aufgenommen und in die Tat umgesetzt. Seither gibt es unseren Kirchenchor.

In der ersten Satzung von 1910 heißt es wörtlich: "Der Kirchenchor will durch seine Gesangsvorträge den evangelischen Gottesdienst beleben und verschönern. Auch durch Pflege weltlichen Gesangs will er der Gemeinde musikalische Genüsse bieten!"

An dieser Zielsetzung hat sich bis heute nichts geändert und sie wird sich auch im neuen Jahrhundert fortsetzen. Mit dieser Zielsetzung und mit großer Ausdauer hat der Chor auch schwierige Zeiten überlebt. Wenn man die fast lückenlos vorhandenen handschriftlichen Jahresberichte durchliest, dann fällt folgendes auf:

Es ist viel die Rede von musikalischen Höhepunkten, gemeisterten Auftritten in der Kirche oder in öffentlichen Gemeindesälen, von Gottesdiensten, an denen der Kirchenchor mitgewirkt hat, aber auch von den Ausflügen, Wanderungen und geselligen Veranstaltungen. Die Erzählungen sind so lebendig, die Chormitglieder müssen viel Spaß gehabt haben.

Was man nicht lesen kann ist ängstliche Sorge, obwohl 2 Weltkriege unser Land heimsuchten und während des Nazi-Regimes Herrn Tübiger seine Tätigkeit als Chordirigent verboten wurde. Man fand einen Ersatzdirigenten in Herrn Rebmann aus Breitenstein, der mit sehr viel Zivilcourage das Amt weiterführte. Erwähnt sind in den Mitgliederverzeichnissen die Namen derjenigen die in den Krieg „einrücken“ mussten und hinter manchem Namen war später der Vermerk „gefallen“ eingetragen.

All diese Sorgen und Nöte wurden nach Christenart unserem Gott anbefohlen. Auf diese vertrauensvolle Weise überlebte der Chor auch diese schrecklichen Jahre, die in viele Familien schlimmes Leid gebracht haben.
Im Zeitraum der letzten 100 Jahre standen 7 Dirigenten dem Chor vor, nämlich die Herren Leimenstoll, der Gründer, Tübinger, Rebmann, Henne, Rochlitz, Hiddeßen und jetzt Ulrich Bürck. In dieser ganzen langen Zeit hatten wir nur 4 Vorstände, die Herren Schweizer (kurzzeitig), Wilhelm Schmid sen., der 2007 verstorbene Wilhelm Schmid jun., Landwirt in der Mittleren Mühle, und jetzt Wilhelm Horrer. Die drei letzteren Vorstände haben dieses Amt über viele Jahre aufopfernd und mit Begeisterung um der gemeinsamen Aufgabe willen neben anderen Pflichten ausgefüllt und den Chor nach außen vertreten. Sie haben alle großen Verdienst daran, dass es den Chor heute noch gibt.

Natürlich hat sich über die Jahre in der Chormusik viel gewandelt, wobei uns Choräle, Motetten oder Kantaten von Mendelssohn, Rheinberger, Bach, Schütz, Pachelbel, Buxtehude usw. über das ganze Jahrhundert begleiteten.

In jüngerer Zeit haben wir uns auch an größere Werke gewagt, wie Stabat Mater von Orssini, das Requiem von Fauré, das Weihnachtsoratorium von Saint-Saens, Misa Criola von Ariel-Ramirez und mehr. Auch neuere Lieder und populare Musik kamen zur Aufführung.

Neben geistlichen Werken und Liedern hat sich der Chor auch mit weltlicher bzw. volkstümlicher Literatur befasst. Stellvertretend dafür sei heute die „Sauerkrautkantate“ genannt, die mit großem Erfolg und zur Freude vieler Holzgerlinger in der Stadthalle aufgeführt wurde.

Auch der gesellige Teil kam in unserem Chor nie zu kurz. Schon seit den 30-ger Jahren, als man noch auf der Lkw Pritsche und auf Holzbänken die Landschaft genoss, gibt es den Jahresausflug. Jedes Jahr findet die Herbstwanderung statt und unser Jahresfest, das „Kaffeekränzle“ , erfreut sich schon seit Beginn unseres Chores großer Beliebtheit.

Seit ein paar Jahrzehnten hat sich auch das „Kirchenchor-Kabarett“ als feste Größe bei unseren Veranstaltungen etabliert. Heute sind wir ein Chor von ca. 50 aktiven Sängerinnen und Sängern, die unter ihrem Dirigenten Ulrich Bürck mit Spaß dabei sind, altes und neues Liedgut, geistliches und weltliches, zu lernen und es der Gemeinde vorzutragen.

Neue Sänger und Sängerinnen für alle Stimmen werden sehr gerne aufgenommen.

Kommen Sie zu uns, machen Sie mit!

Aus dem Gemeindebrief Weihnachten 2009