Heim-statt Tschernobyl und Familie Schill

Schwäbische Hilfe beim Hausbau in Weißrussland

Am 26. April 1986 gelangte ein ukrainisches Dorf zu trauriger Berühmtheit. Tschernobyl wäre lieber unbekannt geblieben. Fast 70% des ausgetretenen radioaktiven Giftes gingen in Weißrussland nieder. Viele, die in diesem Gebiet um die Stadt Gomel leben müssen, wissen um die unsichtbare Gefahr. Sie wissen es und müssen dort bleiben, denn eine Umsiedlung kostet viel Geld, das dieses Land und die Betroffenen nicht aufbringen können.

Nach der Grenzöffnung besuchte Dietrich von Bodelschwingh im Jahre 1991 Weißrussland. Als er die vielen Kinder sah, die unter den Folgen des Atomunfalls zu leiden hatten, gründete er den Verein „Heim-statt Tschernobyl“. Dann wurde eine neue Siedlung im nicht verstrahlten Norden Weißrusslands begonnen. Nach dem Motto: „Gib den Menschen nicht Fische zum Essen, sondern Angeln zum Fischen“ leistet der Verein mit Spenden und Arbeitskräften, Hilfe zur Selbsthilfe. Seit 1993 sind  mit deutscher Hilfe insgesamt 50 Häuser entstanden. 50 Familien konnten in eine neue Umgebung umsiedeln. Kranke Kinder und Erwachsene haben wieder Hoffnung, ein Leben in gesunder Umgebung zu führen.

Die ersten beiden Windkraftanlagen Weißrusslands, als ein Zeichen gegen Atomkraft, wurden in den Jahren 2000 und 2001 erstellt.

Seit dem Sommer 2001 werden weitere Häuser in Stari-Lepel am Rande der Kreisstadt Lepel gebaut. Genau wie in Drushnaja werden sie aus Lehm und Holz gefertigt. Der Lehmhausbau ist gesund, preisgünstig, ökologisch und hat den Vorteil, dass viele ungeübte Hände mithelfen können. Es gibt aber nicht nur Arbeit, sondern auch viele Begegnungen mit Menschen. Viele soziale Projekte werden vom Verein „Heim-statt Tschernobyl e.V.“ in den beiden Dörfern durchgeführt.

Machen Sie mit! Wir sind im nächsten Jahr wieder dabei.

Lesen Sie den Artikel aus der Kreiszeitung Böblinger Bote vom 29. August 2012. Wir danken für die Erlaubnis zur Verwendung dieses Artikels.

Die Geschichte geht weiter

Edeltraud Schill hat als neue Vorsitzende die Geschäftsführung übernommen, und Heike Ottenbacher unterstützt sie in der neuen Geschäftsstelle in Holzgerlingen. Am 27. Oktober haben wir unter großer Beteiligung unsere Jahreshauptversammlung in Bünde (Westf.) durchgeführt, viel berichtet und auch ein wenig gefeiert. Das erste Jahr nach der Verlagerung der Geschäftsstelle nach Holzgerlingen und unter der neuen Leitung.

Die große Beteiligung hat uns ermutigt, unsere Aufgabe der Tschernobyl-Umsiedlung in der bisherigen Weise fortzusetzen, denn auch 26 Jahre nach der Katastrophe und jetzt nach Fukushima bleiben die Folgen der Schöpfungsvernichtung eine Wunde auf der Erde. Wir bleiben dran und lassen uns nicht durch finanzielle Sorgen oder Hindernisse dort und hier unnötig beirren, sondern setzen unser Vertrauen auf Gott und Menschen, um mit Zuversicht gemeinsam auf eine „Zukunft nach Tschernobyl“ zu setzen.

Fast 100 Menschen waren in diesem Jahr in verschiedenen Bauabschnitten aktiv in den beiden Siedlungen Drushnaja und Stari-Lepel. Der Bericht eines Teilnehmers lässt uns an den Erlebnissen teilhaben:

„Das heiße Sommerwetter änderte sich in der ersten Woche. Mächtige Wolkengebirge schoben sich unaufhörlich in schneller Folge von Westen her über das Land. In allen Farbabstufungen, von weiß über grau bis fast schwarz, ein unbeschreibliches Bild vor einem leuchtend blauen Himmel, aus dem immer wieder strahlend die Sonne auf unsere Baustelle schien. Dazu der Blick über den See, weite Wiesen und Wälder. Eine träumerische Ruhe über allem im reizvollen Gegensatz zur geschäftigen Baustelle. Das Auge verliert sich mit all seiner Phantasie in den imposanten Wolkenbergen.

Täglich mehrmals Kleiderwechsel, Tshirt, Fleece Pulli, Anorak, Regenjacke. Immer wieder mal ein kräftiger Schauer, der die Arbeit für 10 bis 20 Minuten aufhielt. Abends am Lagerfeuer frischer Abendwind vor wärmenden Flammen und Gesang.
Ab der zweiten Woche kehrte das heiße Sommerwetter mit Temperaturen bis über 30°C im Schatten zurück. Auf dem ungeschützten Dach herrschte zeitweilig eine „mörderische“ Hitze und forderte „Schattenpausen“ Hand in Hand kamen die Arbeiten zügig voran, so dass der Bau bereits nach zehn Arbeitstagen beendet war. Alle Teilnehmer, Schüler, Studenten, Menschen in der Mitte des Lebens sowie Rentner im letzten Lebensabschnitt einten die ideellen Gründe ihrer Aktivität. Alle wollten Land und Leute kennen lernen, etwas Gemeinnütziges tun und besonders den Opfern der Atomkatastrophe von Tschernobyl helfen. Diese Arbeit ist eine gute Möglichkeit, Erfahrung mit verschiedensten Menschen zu machen, Teamarbeit zu praktizieren und handwerkliche Fähigkeiten zu erwerben. Ein einfaches Leben ohne den gewohnten Luxus zu führen und trotzdem zufrieden zu sein.

Erstaunlich, wie eine bunt zusammengewürfelte Gruppe unterschiedlicher Generationen, Herkunft und Sprache das Projekt problemlos bewältigt hat. Die Exkursionen nach Minsk, Vitebsk und Polotsk brachten uns Kultur und Geschichte des Landes näher. Überall stießen wir auf die unsäglichen Gräuel des deutschen Vernichtungsfeldzuges im 2. Weltkrieg. Die Besuche der Gedenkstätten Schunewka und Chatyn gingen buchstäblich „unter die Haut“ und riefen Abscheu und tiefe Scham hervor. Ein historisches Erbe, dem man sich stellen muss.
Unser Tun in Weißrussland, ein zaghafter Versuch, Zeichen der Versöhnung zu setzen.“

Edeltraud und Christof Schill

Heim-statt Tschernobyl e.V.
Edeltraud und Christof Schill
Rechbergstr. 16
71088 Holzgerlingen
Tel.07031/602700
Fax.07031/4109648
E-Mail: familie_schill @ t-online.de
    
Hier gibt es die aktuellen Informationen:
www.heimstatt-tschernobyl.org

Gemeindebrief Weihnachten 2012