Hospizgruppe

Die Hospizgruppe Holzgerlingen ist Teil der Ökumenischen Hospizhilfe im Kirchenbezirk Böblingen, die insgesamt aus 5 Hospizgruppen besteht, siehe unter www.hospizdienst-bb.de

Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besuchen und begleiten Schwerkranke, Sterbende und deren Angehörige. Sie sind sorgfältig auf ihren Dienst vorbereitet und kommen zu Ihnen nach Hause oder auch ins Pflegeheim, wie Sie es wünschen.

Für die Betroffenen entstehen keine Kosten, da wir mit Hilfe von Zuschüssen und Spenden unseren finanziellen Aufwand decken können.

Kontaktperson: Ingeborg Wünsch, Tel.: 07031 - 60 39 39

Wer hilft auf der letzten Wegstrecke?

(Interview von Pfarrer Grauer 2012)

Dies sind die drei Grundtätigkeiten des ökumenischen Hospizdienstes:

  • Schwerkranke begleiten.
  • Sterbenden nahe sein.
  • Angehörige stützen.

Mir gegenüber sitzen Ingeborg Wünsch, ehemalige Grundschullehrerin aus Holzgerlingen, und Hartmut Ulland, IBM-Ruheständler aus Altdorf. Sie teilen sich die Leitung der örtlichen „Hospizgruppe Holzgerlingen, Altdorf, Hildrizhausen“, die gegenwärtig aus neun ehrenamtlich Mitarbeitenden besteht.

„Wie sind Sie dazu gekommen, in diese Tätigkeit einzusteigen?“, frage ich zu Beginn. Ingeborg Wünsch berichtet von persönlichen Erfahrungen. Der Suizid eines jungen Menschen erschüttert sie; deshalb besucht sie einen Einführungskurs ins Thema Hospiz, den damals Pfarrerin Schießwohl mit geleitet hat.

Beim Tod des eigenen Vaters wird ihr bewusst, wie sehr das Thema Sterben oft verdrängt wird, auch bei den engsten Angehörigen. Und dass es dann umso schwieriger ist, Abschied zu nehmen. Als sie dann die Mutter begleitet, verbringt sie viel Zeit mit ihr, lernt auch Ängste kennen und macht so manche Grenzerfahrung.

Und sie erlebt es als große Entlastung, dass Menschen vom Hospizdienst sie bei der Begleitung der sterbenden Mutter unterstützen. „Einfach mal eine Stunde frei zu haben in dem Wissen, die Mama ist jetzt gut versorgt“, das hat sie von dieser Arbeit überzeugt, das wollte sie auch anderen möglich machen. So besucht sie den Aufbaukurs Hospiz, zu dem auch 25 Stunden Praxisarbeit im „Haus am Ziegelhof“ gehörten.

Hartmut Ulland wurde im ökumenischen Männervesper in Altdorf angefragt, ob er nicht einen Einführungskurs für Männer besuchen wolle, den 2010 Klinikseelsorger Andreas Senn aus Böblingen erstmals angeboten hat. Neugier auf das Thema, die seitherige persönliche Distanz zum Thema Sterben und die Möglichkeit, nach Kursende frei zu entscheiden, ob man in die Hospizarbeit einsteigen möchte, haben ihn bewogen mitzumachen. Der Männerkurs kam zustande. „Freilich gab es auch Hemmungen zu überwinden“, erzählt er vom Praxisfeldeinsatz im Pflegeheim.

„Das gelingt aber, weil die Menschen froh sind, wenn man ihnen in der Situation hilft.“ Die ersten gemachten Erfahrungen ermutigen ihn, weiter zu gehen auf diesem Weg. Ob auch sein Glaube an Gott eine Motivation für ihn sei, frage ich. „Ja schon, und ich würde gerne daran anknüpfen, wenn beim Schwerkranken oder Sterbenden eine Offenheit für geistliche Dinge da ist. Das gilt es - wenn möglich – sensibel zu erspüren. Es wird überhaupt nichts übergestülpt."

Ingeborg Wünsch bestätigt das: „Hospizarbeit ist von ihrem Selbstverständnis her kein entschieden christlicher Dienst, sondern sie bedeutet Dienst von Mensch zu Mensch, bei dem ich mir zugestehe, schutzlos zu sein und Hilflosigkeit gemeinsam auszuhalten.“ Es komme darauf an, die Begegnung auf Augenhöhe zu suchen und den anderen in dieser Phase als Mensch zu begleiten.

„Was ist Ihre `Ausrüstung` , mit der Sie zu Sterbenden hingehen“, frage ich. „Zeit, Aufmerksamkeit, Unvoreingenommenheit, Hörbereitschaft. Die Bereitschaft, sich auf einen Menschen einzulassen und sein Gegenüber zu sein“, lautet die Antwort von Frau Wünsch. Zwei wichtige Dinge nennt sie noch: „Das Gespräch mit den Angehörigen suchen, denn sie sind ein wesentlicher Teil des Geschehens. Und die Schaffung einer Atmosphäre der Ruhe um den Sterbenden herum.“

„Wer darf anrufen beim Hospizdienst?“ - „Jeder! Der Schwerkranke selbst, die Angehörigen, die Entlastung suchen, die Heimleitung der Pflegestation.“ Konfession, Religion, Weltanschauung, Nationalität, Alter spielen keine Rolle. Nach dem telefonischen Erstkontakt mit der Leitung der Hospizgruppe kommt es zu einem ersten Besuch, bei dem die Wünsche und Bedürfnisse der Hilfesuchenden geklärt werden. Danach wird in der Hospizgruppe nach den passenden Begleitern gesucht. Es ist ein großer Gewinn, dass sich jetzt auch drei Männer dafür bereit halten. Dann kommt es zu einem Zweitkontakt mit dem Begleiter. Es wird vereinbart, was möglich ist und was nicht, wann und wie oft besucht wird. Bis zu fünf Besuche pro Woche könnte eine Hospizgruppe leisten. Zwei, allerhöchstens drei Begleiter kommen dabei pro Familie zum Einsatz.

„Für die begleiteten Familien fallen keine Kosten an“, erfahre ich überrascht. „Entstehende Kosten werden durch Zuschüsse und Spenden gedeckt.“ Und es ist kein großer Vorlauf oder eine Voranmeldung nötig. „Es darf sehr zeitnah angerufen werden, in der Regel wird vom Hospizdienst sehr schnell reagiert.“ Ich bin erstaunt, zu hören, dass die Gruppe gerne mehr Dienste leisten würde. „Es sind noch Kapazitäten frei“, bestätigen mir beide Gesprächspartner.

Ich bedanke mich bei den Leitern der Hospizgruppe, und wir sind uns einig in dem Wunsch, dass dieser wertvolle Dienst mehr in Anspruch genommen wird.

Telefon der Leitung Hospizgruppe Holzgerlingen, Altdorf, Hildrizhausen: 07031- 60 39 39

Aus dem Gemeindebrief Erntedank 2012