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Was ist ein Pietist?

Am 12. Januar 2006 erschien in der Kreiszeitung Böblinger Bote (KRZ BB) ein Artikel unter dem Titel "Den Fasching ins Fasnet-Niemandsland bringen". Darauf bezieht sich der folgende Leserbrief, den die KRZ BB am 21 Januar 2006 abdruckte unter der Überschrift:

Gut, dass bei uns die Hexen nicht los sind

Manchmal blicken wir Holzgerlenger sehnsüchtig noch Scheenoach na. Aus ganz verschiedenen Gründen. Doch heute nicht. Nach der Lektüre der Kreiszeitung muss ich bekennen: Wie gut, dass bei uns die Hexen nicht los sind. Wie gut, das die Holzgerlinger Katholikinnen nicht meinen, sie müssten den sogenannten Pietisten das Lachen beibringen.

Wäre auch völlig unnötig. Wenn jemand in diesen düsteren Zeiten Grund zum Lachen hat, dann sind sie es. (Ich zähle mich gern dazu, kann und will meine pietistischen Wurzeln nicht verleugnen).

Vermutlich liegt hier ein Missverständnis vor. Wer weiß denn schon, was einen echten Pietisten ausmacht... Über jemanden spotten, den man gar nicht kennt, ist unfair. Deshalb in Kurzform:

Ein Pietist ist ein ganz normaler Christ, der eine persönliche Beziehung zu Gott hat.

Einer, der die Macht und Kraft des Gebets kennt. Einer, der weiß, dass Jesus Christus seine Schuld, den Tod und die Hölle besiegt hat und der in der Vorfreude lebt: das Beste kommt noch! Dieses Vertrauen befreit von Menschenfurcht und Zukunftsangst, befähigt zu verantwortlichem Handeln. Was wäre unser Land ohne die

Segensspuren des Pietismus:

  • Die Diakonie in all ihren Facetten (Stetten im Remstal, ev. Gesellschaft Stuttgart...), die sich der Not der Armen, Ausgegrenzten, Alten, Kranken, Behinderten und Hungernden über Grenzen von Konfessionen und Ländern hinweg annimmt...

  • Unzählige Hauskreise und Bibelstunden, in denen Christen in aller Stille miteinander die Bibel lesen und in ihren Alltag übersetzen, in denen sie "der Stadt Bestes" suchen und für sie beten...

  • Attraktive, einladende neue Gottesdienste, intensiv und kreativ vorbereitet und gestaltet von engagierten Ehrenamtlichen...

  • Die tägliche Losung aus Herrnhut, geniale Idee eines Grafen, seit Jahren ein Bestseller bei uns und anderswo...

  • Die "uralte Erfindung" der Kinderkirche und Jugendarbeit, bis heute phantasievolle, missionarische Angebote...

  • Der überreiche Liederschatz aus alter und neuer Zeit als Antwort der Gemeinde. Viele dieser Lieder werden mit Begeisterung in kath. Gottesdiensten gesungen...

Das alles und noch viel mehr sind Früchte des Pietismus.

Fazit: Der Pietismus, eine lebendige Glaubensbewegung, hat zum Leuchten gebracht, was Luther und die anderen Reformatoren angestoßen haben. Und so schließt sich der Kreis: Überall da, wo die Reformation Fuß gefasst hat, ist die Fasnet verschwunden.

Hannelore Jäckle, Holzgerlingen

P. S: Übrigens, ich lebe gern im Fasnet-Niemandsland, halte es mit Fridolin Stier, einem sprachbegabten, katholischen Theologen. Der lädt uns ein zum Jubeln, zu unsagbarer, von Herrlichkeit erfüllter Freude an Gott. An unserem Glauben. Das ist weitaus mehr als Spaß am "Teufel-komm-raus".

Die Redaktion dankt der Autorin und der Kreiszeitung Böblinger Bote für die Erlaubnis zur Veröffentlichung.

Wo kann man den Pietismus einordnen? Glaube - und wie er sich äußert