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Taufe
Dieser Aufsatz ist entstanden als Positionshilfe im Umgang mit
Baptisten und Mitgliedern ähnlicher Freikirchen, die nur die
Erwachsenentaufe praktizieren. Er enthält keine
umfassende Abhandlung über die christliche Taufe und ihre
Bedeutung. Eberhard Lange
Bedeutung der Taufe
Die Taufe, die Johannes der Täufer praktizierte, war eine
reine Bußtaufe (Matth 3, 2.11) mit Wasser. Bis zu
Johannes dem Täufer galt das Gesetz (Luk 16,16), von da an das
Evangelium vom Reich Gottes. Jesus ließ sich von Johannes mit
Wasser taufen (Matth 3, 13-17 u.a.) und stellte sich damit den
Sündern gleich. Jesu Jünger haben getauft, aber Jesus
selbst hat nicht mit Wasser getauft (Joh 3,22.26; 4,1.2).
Jesus tauft mit dem Heiligen Geist (Mk 1,8) und Feuer
(Luk 3,16).
Um wiedergeboren zu werden, wird eine Taufe „aus
Wasser und Geist“ benötigt (Joh 3,5). Das
bedeutet, die Taufe, die Jesus vor seiner Himmelfahrt den Jüngern
aufträgt (Matth 28,19), hat einen anderen inhaltlichen
Schwerpunkt als die Taufe des Johannes.
„Die Taufe ist ein Sakrament und göttlich
Wortzeichen, womit Gott (...) bezeugt, dass er dem Getauften ein
gnädiger Gott wolle sein und verzeihe ihm alle Sünden (...)
und nehme ihn auf an Kindes statt und zum Erben aller himmlischen
Güter“ (Johannes Brenz im Württembergischen
Katechismus)
Die Kirche tauft im Gehorsam gegen den Befehl Jesu Christi und im
Glauben an seine Verheißung. In der Taufe handelt der
Dreieinige Gott selbst an dem Täufling: er spricht ihm seine
Gnade zu, stellt ihn unter seine Herrschaft, beruft ihn als Glied
seiner Gemeinde und führt ihn seinem Reich entgegen.
Magische Vorstellungen
Oft wurden früher die Kinder vor der Taufe nicht aus dem Haus
gebracht, weil man die Vorstellung hatte, wer ohne Taufe stirbt, gehe
verloren. Diese magische Vorstellung von der Taufe widerspricht der
Aufklärung und ist abzulehnen. Begründung:
Diese Vorstellung widerspricht dem liebenden Vater, den uns
die Bibel vor Augen stellt, z.B. im Gleichnis vom verlorenen Sohn
(Luk 15,20).
Diese Vorstellung widerspricht Jesu Aussage: „Wer an
den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben“ (Joh 3, 36).
Diese Vorstellung widerspricht den Ausführungen von Röm
2, 25-29, die sich zwar auf die Beschneidung beziehen, aber sicher
entsprechend auch für die Taufe gelten: Das Gesetz (des Alten
Testaments, oder hier das Taufgebot) einzuhalten ist nicht das
Wichtigste, sondern die innere Einstellung des Menschen.
Jesus versprach einem Verbrecher, der neben ihm an einem
Kreuz hing: „Heute wirst Du mit mir im
Paradies sein.“ (Luk 23,43). Dieser Verbrecher war
offensichtlich nicht getauft.
Zwar sagt Jesus (Mk 16,16) „Wer da glaubt und
getauft wird, der wird selig“; Jesus fährt aber fort:
„wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.“
Bei dieser negativen Aussage wird die Taufe nicht erwähnt.
Argumente für die Kindertaufe
Die Bibel lehrt, dass der Glaube
ein Geschenk Gottes ist – trotz aller Ermahnung, sich
zu entscheiden. Gott lenkt nämlich auch die Menschenherzen (Ps
33,15; Spr 21,1), und Jesus sagt: „nicht ihr habt mich
erwählt, sondern ich habe euch erwählt“ (Joh 15,
16). Die Taufe symbolisiert dieses Geschenk; es geht dabei also
nicht um unser, sondern um Gottes Handeln.
Es ist kein Ansehen der Person
vor Gott (Röm 2, 11). Gott nimmt also auch Kinder „für
voll“ (siehe auch Matth. 19, 14).
In der Bibel findet sich mehrmals
die Taufe von dem „ganzen Haus“ (Apg 16,15; 16,
32-34, 1. Kor 1, 16), also Sklaven und Kindern eingeschlossen. Wenn
wir uns vorstellen, die damaligen Diener hätten die Freiheit
gehabt, selbst zu entscheiden, projizieren wir unsere Welt auf
damals: die Sklaven hatten keine Wahl, wie Lukas in Apg 16, 33
formuliert: „Und er ließ
sich und alle die Seinen sogleich taufen“.
Ein weiteres wichtiges Argument
ist die Parallelität des alten und des neuen Bundes: Im alten
Bund wurde die Beschneidung zuerst an Erwachsenen
durchgeführt, dann an Kindern (1Mo 17, 10-13.23-27; 2Mo 4, 25:
Luk 1,59). Im neuen Bund ist die Taufe das
entsprechende Merkmal, um die Zugehörigkeit zum Volk Gottes
symbolisch zu zeigen.
Die Kinder von gläubigen
Christen sind „geheiligt“ (1Kor 7, 14), wie auch
der ungläubige Ehepartner.
Wir finden in der Bibel die
Totentaufe ( 1Kor 15, 29). Diese wird nur an einer einzigen
Stelle erwähnt, d. h. darauf dürfen wir keine theologische
Lehre aufbauen. Aber wenn Gott akzeptiert, dass sich ein Mensch für
einen Toten taufen lässt, wieviel mehr freut er sich über
Eltern, die ihr Kind zur Taufe bringen und es zum Glauben weisen!
Das Kind hat die Chance, mit seinem Leben darauf zu antworten.
Oft geäußerte Argumente gegen die
Kindertaufe
Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig (Mk 16,16) –
hier steht eine Reihenfolge.
Verschiedene theologische Erklärungen zum Christ
Sein, die die Taufe beinhalten (Röm 6, 1-9; Gal 3, 27;
Tit 3,5 u.a.), sprechen immer vom Menschen mit einem eigenen
Glauben.
Im Neuen Testament selbst ist von einer Kindertaufe
nirgends ausdrücklich die Rede.
Entkräftung dieser Argumente
Wir bezweifeln, dass die Reihenfolge dieser Aufzählung
Bedeutung hat. In Matth 28,19 steht außerdem eine
umgekehrte Reihenfolge: „taufet ... und lehret“.
Diese verschiedenen Erklärungen beschreiben den Zustand
eines wiedergeborenen Christen – oft sogar einen „idealen“
Zustand. Daraus ein Verbot der Kindertaufe abzuleiten, heißt,
den Kindern den Glauben abzusprechen, den die Jünger
ihnen auch absprechen wollten:
- Dafür hat Jesus
sie schwer gerügt (Matth 19, 13-15; Mk 10, 13-16; Luk
18, 15-17).
- Jesus stellt im Gegenteil die Kinder
nochmals an anderer Stelle den Jüngern als Vorbild dar: „Wenn
ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins
Himmelreich kommen.“ (Matth 18, 1-10; Mk 9, 33-37; Luk 9,
46-48)
- Jesus gibt den Kindern einen hohen Rang:
„Ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines
Vaters im Himmel.“ (Matth 18,10).
Angesichts dieser
Ermahnungen Jesu stellt sich die Frage: wer sind wir Menschen,
dass wir den Kindern die Taufe verbieten oder deren Taufe als
ungültig abtun dürften?
Die Taufe geschieht auf den Namen des Dreieinigen Gottes
(Matth. 28, 19). Auch die Dreieinigkeit selbst steht
nicht direkt ausdrücklich in der Bibel, aber indirekt
sehr oft. Die Trinitätslehre bildete sich erst später
aus.
Die Kindertaufe ist eine urchristliche Tradition, die
auf die Apostel selbst zurückgeht. Origenes (180-252 n.
Chr.) bemerkt in seiner Auslegung zu Röm 5, 8: „Die
Kirche hat von den Aposteln die Überlieferung empfangen, auch
den kleinen Kindern die Taufe darzureichen.“
Gegen die Wiedertaufe
Wer gibt Menschen das Recht, auf Grund von Schlussfolgerungen ein
zweites Mal zu taufen entgegen den klaren Worten „Seid
darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des
Friedens: ein Leib...ein Herr, ein Glaube, eine Taufe“ (Eph
4,3-5, vergl. auch 1Kor 12, 13)? Auch wenn diese Gemeinden
argumentieren, die Erwachsenentaufe sei eine andere Taufe als die
Kindertaufe: hier werden menschliche Lehren über die
göttlichen gestellt. Das hat Jesus am damaligen Judentum
kritisiert, und in dieser Versuchung stehen Menschen und Kirchen
immer wieder. Beispiele sind:
Martin Luther hat gegen die Juden
gehetzt, trotz Röm. 9-11
In der katholischen Kirche lassen Menschen sich Papst oder
Pater (Vater) nennen, trotz Matth. 23, 9.
Wichtig ist deshalb, dass Menschen und Kirchen offen sind, sich
von Gottes Heiligem Geist korrigieren zu lassen.
Toleranz
Gott ist toleranter als wir oft denken, und wir werden ebenfalls
zur Toleranz ermahnt:
Gott schickte Jesus zu uns
vorauseilend, als wir noch Sünder waren (Röm 5,8)
Die Bibel ermahnt uns, das enge
Gewissen eines Mitchristen zu achten (Röm 14 und 15, v.a.14,19;
15,7) und darauf Rücksicht zu nehmen, sich aber auch nicht
ein-engen zu lassen (Gal 2, 11f).
Elisa erlaubt Naaman im Namen Gottes, aus politischer
Rücksicht einen Götzen anzubeten
(2.Kön 5, 18f). Das scheint unglaublich angesichts der
Ermahnungen der Propheten gegen Götzendienst.
Es gibt Gemeinden, die die Erwachsenentaufe praktizieren, aber die
Kindertaufe akzeptieren. Bei Gemeinden, die vor der vollen
Mitgliedschaft eine Erwachsenentaufe voraussetzen und ggf. eine
„Wiedertaufe“ verlangen, vermissen wir diese Toleranz.
Daran entscheidet sich aber ihr Mitgliedstatus in der Ökumene,
d.h. in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen ( ACK
).
Tradition
Alle genannten Argumente werden wohl kaum jemanden von seiner
Überzeugung abbringen; denn jeder von uns ist, auch mit seinem
Gewissen, geprägt durch die Heimatgemeinde, in der er
aufgewachsen ist.
Daher bemüht man sich in Allianz und Ökumene, die
gemeinsamen und die verbindenden Elemente unseres Glaubens zu betonen
und miteinander praktizieren. Denn „Unser Wissen ist
Stückwerk, und unser prophetisches Reden ist Stückwerk.
Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk
aufhören“. (1. Kor 13, 9).
Fragen
Für Fragen und weitergehende Informationen wenden Sie sich
bitte an Ihr Pfarramt.
Eberhard Lange
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