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Holzgerlinger in der Mission

Elisabeth und Hubert Binder

... sind am 17. Dezember 2010 wohlbehalten wieder in Deutschland gelandet.

Artikel der Kreiszeitung Böblinger Bote am 11. Januar 2011

"Heimweh nach Holzgerlingen hatte ich eigentlich nie"

"Noch vor einem Jahr konnte ich mir nicht vorstellen zurückzukommen", sagt Elisabeth Binder. Ihr Mann Hubert erklärt: "Wir sind in unsere Arbeit hineingewachsen. Die Frage der Rückkehr hat sich nicht gestellt." Von Sigrid Pfenning

HOLZGERLINGEN. Um ihre christlichen Gaben sinnvoll einzubringen, waren sie mit ihrer einjährigen Tochter Julia vor 21 Jahren nach Costa Rica aufgebrochen. Nun sind die Binders als siebenköpfige Familie wieder da.

Die "Finca Tinamaste", wo Familie Binder lebte, ist ein evangelisches Ausbildungszentrum für Indianer aus Costa Rica, Nicaragua und Panama und bietet Hilfe zur Selbsthilfe. Die Indianer werden in Forst- und Landwirtschaft ausgebildet und lernen praktische Dinge für ein nachhaltiges Leben. "Ich hatte die Verantwortung für den land- und forstwirtschaftlichen Bereich", berichtet Hubert Binder. Elisabeth kümmerte sich um den Aufbau der Schule für die Kinder der Mitarbeiter. "Wir haben Seminare vor Ort für die Indianer anboten und ein Ausbildungsprogramm für Frauen", ergänzt die gelernte Realschullehrerin, "auch zu den Themen Familie und Ehe."

Für die Rückkehr nach Holzgerlingen gibt es mehrere Gründe: "Wir haben dort auf Taschengeldbasis gearbeitet", erklärt Elisabeth Binder. Doch auch die räumliche Distanz zu einzelnen Familienmitgliedern habe zur Rückfahrt bewegt: Julia ist bereits seit drei Jahren wieder hier und studiert an der Dualen Hochschule Stuttgart. Johannes (19), der Zweitälteste, hat im September eine Zimmermannslehre in Altdorf begonnen.

"Die beiden Großen haben sich hier gut eingelebt und organisiert", sagt Mutter Elisabeth. Die Mittlere, Carolin (14), habe sich auf das Leben in Deutschland gefreut und auch der achtjährige Tobias sei gerne hier. Nur seine Zwillingsschwester Tamara habe Heimweh nach Costa Rica und würde am liebsten zurück. Dennoch freut sie sich, wenn die Schule losgeht: "Dann hab ich was zu tun." Ein bisschen Angst, dass sie schwer Freunde finden, haben die beiden Jüngsten aber doch.

Die Kinder sind, außer Julia, allesamt in Costa Rica geboren und haben eine doppelte Staatsbürgerschaft. Alle haben von klein auf Spanisch gelernt - neben dem breiten Holzgerlinger Schwäbisch, das sie auch sprechen. Und sie waren mit Einheimischen im Kindergarten. "Sprachlich haben unsere Kinder davon sehr profitiert", so Hubert Binder. Als die Kids nach sechs Jahren mit Fernschulmaterial aus Deutschland aufs College kamen, hatten sie keinerlei Sprachprobleme.

Während der 21 Jahre war die Familie regelmäßig daheim. "Normalerweise ist man drei Jahre auf der Station und dann drei Monate zu Hause", erklärt die 46-jährige Elisabeth Binder. Diese "Heimat-Zeit" sei meist an Weihnachten. Zwischendurch haben die Binders auch ein ganzes Jahr in Holzgerlingen gelebt. "Damit man sich nicht so sehr entfremdet. Und die Kinder sollten auch die hiesige Gesellschaft kennen lernen."

Vielleicht in ein paar Jahren wieder

Ursprünglich sollte auch der jetzige Heimataufenthalt nur ein Jahr dauern, doch dann hatte sich die Familie einstimmig zur Rückkehr entschlossen - vorerst zumindest: "Wenn sich in ein paar Jahren wieder die Möglichkeit bietet, nach Panama oder Costa Rica auszureisen, wäre das schön", meint Elisabeth Binder. Auch könne sie sich vorstellen, für einen Monat ein Projekt zu übernehmen. "Da sind wir völlig offen."

Hubert Binders Gefühle bei der Abreise nach Costa Rica vor 21 Jahren waren gemischt: "Ich war neugierig auf das Abenteuer. Es war eine erwartungsvolle und angenehme Spannung auf die fremde Kultur und die Verbindung von geistlicher und handwerklicher Arbeit", erklärt der 49-jährige Forstwirt. Ängste hatte er nur vor Sprachproblemen gehabt, doch die seien unbegründet gewesen. Heimweh nach Deutschland hatte er aber eigentlich nie: "Meine Frau und Kinder waren ja bei mir."

Jetzt freut er sich vor allem auf die berufliche Herausforderung. "Ich sehe meine Fähigkeiten in der Lehre und Forschung. Daher würde ich gerne an einer Universität unterrichten." Elisabeth dagegen freut sich auf die vier Jahreszeiten. "Die gibt es in Costa Rica nicht so ausgeprägt."

Was die beiden in Costa Rica besonders beeindruckt hat, ist die große Verbundenheit der Christen untereinander. Sprachbarrieren, materielle Gegebenheiten oder Herkunft wurden überwunden. Hubert Binder: "Der Glaube verbindet mehr als die Nationalität." Auch die Kinder hätten viel Sozialkompetenz gelernt, Extreme erfahren und ihren Horizont erweitern können.

(Wir danken der Kreiszeitung Böblinger Bote für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung)

Aus dem Gemeindebrief Weihnachten 2010

In den letzten Wochen konnte man unsere Kinder und ihre Freunde mit bemalten Gesichtern, Steckenpferden und Holzgewehren über das Gelände rennen sehen. Sie haben sich von den altbekannten Winnteou-Filmen inspirieren lassen. Welche Vorstellungen haben Sie, wenn Sie an Indianer denken? Federschmuck - Pferde - Pfeil und Bogen – Zelte? Manches davon findet sich tatsächlich bis heute in der Kultur der Indianer Mittelamerikas. Zu ihnen gehören u.a. die Guaymis, Kunas, Bri Bris, Cabécares, Miskitos und Rama- Indianer. Jedes dieser Indianervölker hat seine eigene Sprache und seine ihm typische Kultur, die sich u.a. in der Bauweise der einfachen Behausungen wiederspiegelt. Was allen gemeinsam ist, ist der harte Kampf ums Überleben in der heutigen Zeit. Während der Ausbilungsarbeit für Indianer in Costa Rica und Panama konnten wir vor allem die Guaymis und ihr Gebiet besser kennenlernen. Von diesem Volk leben heute ca. 200.000 Menschen mehrheitlich in extremer Armut. Ihr Land ist schwer zugänglich, schlecht erschlossen und gibt trotz der beeindruckenden, tropischen Vegetation, nur kargen Ertrag. Eine schlechte Grundlage für Familien, die noch von ihrer Subsistenzwirtschaft leben. So haben wir unter ihnen viele resignierte Menschen kennengelernt.

Ganz anders war hingegen der Kontakt zu Christen unter diesem Volk. In den letzten sechs Jahrzehnten ist im Gebiet der Guaymis in Panama durch Missionsarbeit ein starker Gemeindeverband entstanden. Fast 10% der Guaymis sind Mitglieder dieser Gemeinden. Der Glaube an Jesus Christus hat ihrem Leben neuen Sinn und Halt gegeben. Aus dieser Hoffnung schöpfen sie Kraft für ihren harten Alltag. Wir haben erlebt, wie die Liebe Gottes Menschen umgestaltet und zu einem verantwortungsbewussteren Umgang, gerade auch innerhalb der Familien befähigt hat. Der Gemeindeverband und die lokalen Gemeinden werden inzwischen ganz von Indianern geleitet. In Seminaren bemühen sie sich um eine geistliche Zurüstung der Mitarbeiter. Insbesondere im praktischen Bereich suchen sie Unterstützung. Und so war es für sie eine geniale Ergänzung, dass LiL Ausbildung i nLand- und Viehwirtschaft, Forst, Mechanik und Holzbau anbietet. Um Ausbildung in diesen Fächern noch mehr Guaymis zu ermöglichen, entstand eine Zusammenarbeit von LiL und dem Gemeindeverband in Seminaren und die Vision eines weiteren Ausbildungszentrums im Gebiet der Guaymis in Panama.

21 Jahre lang waren wir Mitarbeiter der Arbeit von LiL. Wir konnten unsere Gaben und Ideen in die Schulungs- und Projektarbeit im Ausbildungszentrum sowie in den Indianergebieten und Gemeinden vor Ort einbringen. Während dieser Zeit sind unsere Kinder herangewachsen und konnten in Costa Rica zur Schule gehen. Mit der Ausbildung der beiden Älteren hat nun ein neuer Abschnitt für uns als Familie begonnen. Deswegen kehren wir im Dezember 2010 nach Holzgerlingen zurück - in erster Linie um unsere Kinder während ihrer Ausbildung besser begleiten zu können. Da sie in Costa Rica aufgewachsen sind, bedeutet die Rückkehr für sie das Verlassen ihrer Heimat.

Für uns Eltern, die wir aus Holzgerlingen stammen, ist es die Rückkehr in die alte Heimat, die sich in vielerlei Hinsicht stark verändert hat. Das ist eine sehr spannende Phase unseres Lebens. Wir sind dankbar, dass sich für diesen Schritt die Frage der Wohnung und der Schul- bzw. Ausbildungsplätze für die Kinder bereits geklärt hat. Hinsichtlich der Arbeitssuche sind wir noch am Fragen und Abklären, wie es beruflich weitergehen kann. Als wir das erste Mal nach Costa Rica ausreisten, hatten wir nicht mit einem so langen Einsatz gerechnet.

Viele Fragen waren damals offen, die wir im Vertrauen auf Gott angegangen sind. Dabei begleitete uns ein Vers aus Psalm 37 wo es heißt „Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn. Er wird´s wohl machen“. Das war immer wieder unser Gebet. Und wir haben immer wieder Gottes Wegweisung und Hilfe erfahren. Das erhoffen und erbitten wir nun auch für den neuen Lebensabschnitt in Deutschland.

Wir möchten an dieser Stelle der ev. Kirchengemeinde Holzgerlingen und all denjenigen danken, die unsere Arbeit bei LiL durch ihre Gaben und Gebete unterstützt haben. Wir möchten diese Arbeit auch weiterhin Ihrer finanziellen Unterstützung und Begleitung in der Fürbitte empfehlen. Da die Arbeit von LiL rein über Spenden finanziert sind, sind die verbleibenden Mitarbeiter auf diese Unterstützung angewiesen. Wir konnten insbesondere die Arbeit unter den Guaymis an eine neue Mitarbeiterfamilie in Costa Rica übergeben. Dennoch sucht LiL dringend weitere Mitarbeiter sowohl für Costa Rica als auch für die Leitung in Deutschland.

Auch wir selbst werden nach unserer Rückkehr zunächst noch auf Spenden angewiesen sein, weil wir noch einige Monate bei LiL angestellt bleiben, um die Freundeskreisarbeit abzuschliessen, Arbeit zu suchen und wieder in Holzgerlingen Fuss fassen zu können.

Elisabeth & Hubert Binder

Aus dem Gemeindebrief Ostern 2010

Nun sind es schon gut 20 Jahre, dass wir in Costa Rica leben und mit der Werksmission "Licht in Lateinamerika" arbeiten mit dem Ziel, Indianern Mittelamerikas ganzheitlich zu helfen.

Dazu entstand im Süden des Landes ein erstes Ausbildungszentrum. Zunächst dachten die Mitarbeiter an Ausbildungskurse für Indianer-Männer. Seit 1988 sind diese 3-monatigen Kurse fester Bestandteil unseres Jahresprogramms. Nach und nach gewannen auch andere Arbeitsbereiche immer mehr an Bedeutung: z.B. entstand ein Kursprogramm für Frauen, so dass zu den Kursen nun auch Paare oder ganze Familien kommen können. Die Kursabgänger werden von den Lehrern in ihren Stammesgebieten in Projekten unterstützt. (Wie so ein Kurs abläuft ist unten beschrieben.)

In dem allem gewannen Kontaktpersonen aus den Indianergebieten immer mehr an Bedeutung für unsere Arbeit. Sie haben inzwischen eine Schlüsselstellung im Kontakt zwischen den Schülern und den Lehrern, zwischen dem Zielpublikum der Indianer und den LiLMissionaren. Zum letzten Treffen mit den Kontaktpersonen trafen sich auf der Missionsstation in Costa Rica Vertreter aus 4 Ländern (Honduras, Nicaragua, Costa Rica, Panama), die insgesamt 16 verschiedene Indianer-Volksgruppen vertreten haben. Manche von ihnen sind selbst Missionare oder Gemeindeleiter, andere sind ehemalige Schüler. Manche unterstützen unsere Arbeit im Unterricht auf der Missionsstation oder in Projekten vor Ort.

Und einige von ihnen sind wesentlich am Aufbau eines neuen Ausbildungszentrums in Honduras beteiligt. Dort soll in diesem Jahr mit dem Unterricht begonnen werden. Auch in Panama zeichnet sich die Möglichkeit zu einem neuen Ausbildungszentrum ab. Meilensteine auf diesem Weg waren bislang kürzere Schulungstreffen, die wir im Gebiet der Guaymi-Indianer durchgeführt haben. Wichtige Aufgaben in der Organisation und Durchführung sowie im Unterricht dieser Schulungstreffen wurden von ehemaligen Indianer-Schülern übernommen.

Dadurch sammelten sie in kleinem Rahmen Erfahrungen für die künftige, grössere Aufgabe in einem Ausbildungszentrum. Wir freuen uns, dass wir in diesem Prozess Früchte der Ausbildungsarbeit sehen können und dass Gott Türen für neue Schritte und Visionen öffnet, damit noch mehr Indianern ganzheitlich geholfen werden kann.

Ganzheitlich bedeutet für uns, dass wir sowohl im praktisch-handwerklichen, als auch im geistlichen und im sozialen Bereich schulen und Hilfe bieten.

Für diese Aufgabe braucht es eine breite Gruppe von Mitarbeitern sowohl in Deutschland als auch in Costa Rica, Honduras und Panama. Wir möchten an dieser Stelle ganz herzlich danken, dass auch in diesem Jahr unsere Arbeit und die Projekte von LiL mit einer Spende vom Gemeindebazar unterstützt und ermöglicht wird. Wenn jemand die Arbeit weiterhin unterstützen möchte, so ist dies auf vielfältige Weise möglich:

  • durch Gebete und finanzielle Gaben
  • durch Informationen (es gibt Rundbriefe, Gebetsbriefe, das LiLBlatt .Noticias")
  • durch Mitgliedschaft bei LiL-BRD
  • durch Mitarbeit im Vorstand von LiL-BRD
  • durch Kurzzeit-Einsatz oder Langzeiteinsatz

Wir freuen uns über jede Rückmeldung und verbleiben mit herzlichen Grüssen und in Gott verbunden,

Elisabeth & Hubert Binder

Aktiv-Urlaub einer Gruppe aus Holzgerlingen 2010

Von Dieter Sommer, aus dem LiL-Gebetsbrief März 2010

Die Zusammenarbeit und das Zusammensein mit den Aktivurlaubern war toll. Sie brachten viel Freude und Motivation mit. Sie haben auch viel geleistet. Das neue Holzlager hat ein Dach bekommen, die Ziegen einen neuen Stall, das Projekt Biogasanlage ist einen grossen Schritt weitergekommen und einige hundert Meter Stoff wurden zu Vorhängen, Bettwäsche, Tischläufern und anderen Sachen verarbeitet.

Auch unsere Kinder profitierten gerne vom Angebot des Nähunterrichtes. So entstanden auch unter ihren Händen, Taschen, Kissen oder Bälle. Dankbar sind wir auch für alle Bewahrung, die wir erleben durften. Herzlichen Dank für alles und Gott segne sie dafür.

Auch die Gespräche mit Markus Bolliger (Vorstandsmitglied Schweiz) und Dieter Sommer (Deutschland) waren offen, ehrlich und von gegenseitigem Verständnis geprägt.

Das Bild unten zeigt die Gruppe der Aktiv-Urlauber mit Gästen.




Sommer 2009

Im Gottesdienst am 28. Juni 2009 in der Johanneskirche wurde Christine Jäckle verabschiedet. Sie geht für ein Jahr nach Costa Rica, um auf der Finca, auf der Elisabeth und Hubert Binder arbeiten, die Betreuung der Kinder im Grundschulater zu übernehmen.

Aus dem Gemeindebrief Weihnachten 2008

Für drei Jahre waren wir nun wieder im Einsatz auf der Ausbildungsstation der Werksmission Licht in Lateinamerika.

Familiär hat sich einiges in dieser Zeit verändert: unsere älteste Tochter Julia hat ihre Schulzeit in Übersee abgeschlossen und ist nach Deutschland zurückgekehrt, wo sie im Oktober ihr Studium an der BA in Stuttgart begonnen hat. Unsere jüngsten Kinder, die Zwillinge Tamara und Tobias, sind zu Schulkindern geworden und haben fast die erste Klasse hinter sich. Johannes und Carolin besuchen inzwischen weiterführende Schulen im Land bzw. noch mit Fernschulmaterial.

Wir Eltern sind nach wie vor eingebunden in die Ausbildungs- und Projektarbeit von LiL mit und für Indianer Mittelamerikas. Zwei Reisen haben uns kürzlich wieder in Indianergebiete geführt, wo wir einmal mehr die harte Lebensrealität der Indianer miterlebt haben. Aufgrund der starken Niederschläge in der Regenzeit sind in diesen Monaten die Lebensmittel für die Familien oft knapp. Es kann kaum etwas geerntet werden und auf den nassen, schlammigen Wegen können die kleinen Dorfläden teilweise nicht mit Nachschub an Lebensmitteln beliefert werden. So haben wir eine Familie angetroffen, die seit zwei Tagen nichts mehr zu Essen gehabt hatte. Beim Besuch eines anderen ehemaligen Schülers von uns freuten wir uns jedoch, dass er vielerlei Gemüse und Knollenfrüchte neben seinem Haus angepflanzt hatte. Auch diese Familie lebt in bescheidenen Verhältnissen, aber immerhin brauchten sie nicht zu hungern.

Es ist unser Anliegen durch Schulungskurse und anschließende, begleitete Projekte die Indianer in handwerklichen und landwirtschaftlichen Fertigkeiten zu schulen, damit sie besser für ihren Lebensunterhalt sorgen können. Daneben ist uns auch die Verkündigung des Evangeliums von Jesus Christus ein Anliegen. Jesus selbst sagte: "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Munde Gottes kommt". Gottes Wort ist Richtschnur für das Leben hier und jetzt und für die Ewigkeit.

Auszüge aus dem Rundbrief zum Jahresende 2006

Gummistiefel und Rucksack

Wir sind noch beeindruckt von zwei Stammesreisen, die Hubert und Elisabeth im November in zwei Gebiete der Guaymi-Indianer in Costa Rica unternehmen konnten. Die Kinder blieben zu Hause, weil sie Schule und Kindergarten hatten. Das war auch besser so, denn Tobias und Tamara wären vermutlich auf den Matschwegen stecken geblieben. Obwohl wir in diesem Jahr eine ungewöhnlich trockene Regenzeit erleben, waren die Wege in den Indianergebieten teilweise kaum passierbar. Wo in der Trockenzeit Autos (4x4) fahren können, mussten wir sehr aufpassen, um nicht bis zu den Knien einzusinken. So waren wir teilweise stundenlang zu Fuß unterwegs, um Indianer zu besuchen, die die Ausbildungskurse bei LiL besucht haben und die wir auch weiterhin begleiten und unterstützen wollen.

Wunderschöne Landschaft

Wer zu Fuß unterwegs ist, hat auch Zeit, die herrliche Landschaft zu genießen. Wir staunten aufs Neue über die Vielfalt der Schöpfung: riesige Bäume, farbenfrohe Schmetterlinge, duftende Blüten, wunderbare Aussichten und vieles mehr. Einfach ein tropisches Naturparadies wie aus dem Prospekt im Reisebüro. Diese Eindrücke passen zu der weit verbreiteten Meinung, dass Indianer noch im harmonischen Einklang mit der Natur leben würden.

Harter Alltag

Wir haben aber auch die andere Seite des Indianeralltags aufs Neue erlebt: In mühsamer Handarbeit pflanzen die Guaymis an steilen Hängen Reis, Mais, Kaffee und Bananen an. Trotz harter und körperlich anstrengender Arbeit fällt die Ernte bescheiden aus, was auf den Böden eigentlich nicht verwundert. Zum Kochen muss das Feuerholz aus dem Wald geholt werden. Das Trinkwasser wird aus dem nächstgelegenen Bach geschöpft. Das ist Aufgabe der Kinder. Unter diesen Bedingungen ist es sehr zeitaufwändig, ein einfaches Essen zuzubereiten. Obwohl das Menü für uns Europäer sehr einseitig war, haben wir die gemeinsamen Mahlzeiten sehr geschätzt. Da die Guaymis traditionellerweise eher verstreut und nicht im engen Dorfverband leben, müssen die Kinder einen weiten Fußweg zurücklegen, um zur Schule zu kommen. Entsprechend weit ist auch der Weg auf die Felder oder in die nächste Stadt für Einkäufe bzw. medizinische Versorgung.

Beschreibung eines Indianerkurses

(Auszug aus einem Rundbrief 2002) Wir beschreiben hier nicht, wie für uns der Tag weitergeht, sondern wie der Tagesablauf für die Kursteilnehmer aussieht:

Start in den Tag: Die Kursteilnehmer treffen sich morgens um 6.30 Uhr mit einem LZM zum gemeinsamen Bibellesen und Gebet. Anschließend wartet im Speisesaal das Frühstück. Frisch gestärkt gehen die Indianer danach an die verschiedenen Putzarbeiten, zu denen sie auf der Finca eingeteilt sind.

Vormittag: Um 8.15 Uhr beginnt der offizielle Unterricht. An drei Tagen treffen sie sich dazu in den Gruppen der 4 verschiedenen Fachbereiche:
Die Schreiner bauten in diesem Kurs die Fachwerk-Konstruktion eines weiteren Wohnhauses auf der Finca. Das Haus wurde aufgestellt und gerade vor Kursende konnte noch das Dach gedeckt werden.
Das Schwerpunktthema in der Mechanik war diesmal der Motor. Motoren wurden auseinandergenommen und neu zusammengebaut. Der spannende Moment ist dabei, ob am Ende der Motor wieder läuft.
Im Landwirtschaftskurs ging es um die Pflege und Versorgung von Großvieh. Neben dem Kennenlernen verschiedener Medikamente, gehörte auch das Melken oder der Anbau von Futtergras dazu.
Thema des Forstkurses war diesmal schwerpunktmäßig die Holzernte, d.h. der Umgang mit der Motorsäge und das Aufarbeiten des Stammes vor Ort. Für die Indianer ist das der Höhepunkt des Forstkurses und die meisten träumen von einer eigenen Motorsäge. Hubert ist immer bemüht die Bedeutung von Samenernte und Aufforstung zu betonen. Und so freuen wir uns, dass ein Kursteilnehmer nun ein Projekt plant, bei dem es schwerpunktmäßig um Aufzucht junger Bäumchen und Aufforstung geht. Wilmer hofft damit auch die Dorfgemeinschaft für die Notwendigkeit einer nachhaltigen Fortwirtschaft sensibilisieren zu können.

Gemeinsames Mittagessen: Um 12.15 trifft sich die ganze Fincafamilie im Speisesaal. Alle kommen zusammen: die Indianer vom Unterricht, ebenso die Schul- und Kindergartenkinder sowie die LZM und KZM von ihren verschiedenen Arbeitsgebieten.

Nachmittag: Nach der Mittagspause geht es um 14 Uhr weiter: entweder in den Fachbereichen oder an drei Tagen mit biblischem oder allgemeinbildendem Unterricht. Wie überall ist dies die schwierigste Zeit des Tages, und die Lehrer sind herausgefordert durch interessanten Unterricht die Müdigkeit zu überwinden. Wenn das nicht klappt, hilft auch ein Becher Kaffee. Mathematik und Buchhaltung, Spanisch und Hygieneunterricht fordern Konzentration und Ausdauer. Viele tun sich im abstrakten Denken und Lernen sehr schwer. Das unterschiedliche Bildungsniveau der Kursteilnehmer erfordert von den Lehrern viel Flexibilität, Geduld und Ideenreichtum, damit möglichst kein Schüler abhängt. Im biblischen Unterricht ist es unser Anliegen, die Indianer zum Glauben an Jesus Christus einzuladen und die Gläubigen in der Nachfolge Jesu zu stärken. Wie wichtig es ist, zentrale Lebensfragen im Lichte der Bibel zu betrachten zeigt uns der Alltag. Immer wieder erleben wir, dass Kursteilnehmer Mühe haben im ehrlichen Umgang mit Geld, in Drogenkonsum oder sexuelle Konflikte verwickelt sind. Die Wurzeln dazu liegen meist im Elternhaus, wo materielle Not und mangelnde Geborgenheit die Kindheit prägten.

Abendprogramm: Nach dem Abendessen gibt es unterschiedliche Angebote: Das Fincalädchen öffnet und bietet Gelegenheit zum Einkaufen oder zum gemeinsamen Spielen, es ist Zeit für Hausaufgaben, ebenso einmal pro Woche Bibelstunde oder Jugendgruppe.

Am Wochenende bleibt Zeit für Sport. Vor allem Fußball ist beliebt. Nach einem Match auf dem Matschplatz (s. Regenmenge) ist ein Bad im See kein Luxus.

So vergehen die Tage und Wochen eines Kurses. Am 30 Juni feiern wir den Kursabschluss und entlassen die Indianer wieder in ihren Alltag. Wir hoffen, dass dieser Kurs Spuren in ihrem Leben hinterlassen hat und ihnen hilft, ihren Weg zu finden. Unsere Gebete begleiten sie und es ist unser Anliegen, dass sie Jesus Christus, den Weg, die Wahrheit und das Leben suchen, finden und ihm treu bleiben.

mit LiL - Licht in Lateinamerika
- Elisabeth und Hubert Binder -
Apdo. 11901
San Isidro P. Z.
Costa Rica

elihubinder @ gmx.de

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Bildergalerie: Ein Jahr auf der Finca